Währungspaar USD/JPY: Bricht der Dollar endgültig weg?

Wochenausblick

Die anhaltenden Verluste des US-Dollars gegenüber dem Japanischen Yen bereiten den FX-Tradern aller Orten langsam Kopfzerbrechen. Immerhin hat der Yen ohne ernsthafte Unterbrechung in der letzten Zeit immer weiter aufgewertet. Vom Jahres-Hoch bei glatt 95,00 ging es immerhin direkt nach unten zum neuen 15-Jahres-Tief bei 84,7050, wo wir gerade zum Donnerstag als Handelstag wieder mal fast notierten. Diese Bewegung ist im Vorfeld von den wenigsten antizipiert worden, zu gering schien der Einfluss der fundamentalen Situation und zu massiv die ganzen Unterstützungen auf dem Weg nach unten. Diese Kolumne wurde vor einigen Wochen bereits der signifikanten Chartmarke von 88 Yen gewidmet, doch auch hier konnte sich keine Kehrtwende einstellen. Der Markt belehrte alle Teilnehmer eines Besseren.

Trader sind gut vernetzt und auf diese Weise erfährt man auch recht schnell, dass beinahe 85 Prozent aller Trader mit Positionen bei USD/JPY mittlerweile long unterwegs sind. Das ist eine ziemlich eindeutige allgemeine Meinung, auch eine hervorragende Indikation, die da manifestiert wird. Weiterhin spekulieren die nicht alle erst seit gestern in diese Richtung, sondern schon eine ganze Weile. Hier wurde also viel verbilligt, viel nachgekauft - großes Vertrauen in die aktuelle Unterstützung des Jahres-Tiefs, also 84,71, um exakt zu sein, aufgebaut. Es ist offensichtlich, dass die momentan alle mit ihren Positionen weniger glücklich sein dürften. Noch interessanter wird das Ganze, wenn man sich überlegt, wie die da wieder herausgehen. Es dürften sich einige Stopps unterhalb der 85 finden, die meisten wohl im Bereich 84-84,50.

Sollte es also dazu kommen, dass diese Niveaus angehandelt werden, kommt es zu Stop Fishing auf breiter Front und konsequenterweise massivem Verkaufsdruck. Der US-Dollar könnte in diesem Szenario also noch ein ganzes Stück weiter abwerten. Tatsächlich wird ein schwacher Dollar von der aktuellen News-Situation unterstützt. Diese Woche schickten bereits die schwachen amerikanischen Arbeitsmarktdaten und der miserabel ausgefallene Philly-Fed-Index die Märkte weltweit auf Talfahrt. Diese Möglichkeit wäre also durchaus realistisch, wenn auch verheerend für die involvierten Trader.

Technisch gesehen ist es aber erst einmal so, dass der 85er-Marke massiver Unterstützungscharakter zugeschrieben wird. Hier ist der Kurs diesen Monat bereits schon einmal abgeprallt, jetzt geht er sie erneut an. Ein doppelter Boden wäre nichts ungewöhnliches, doch ist ein Zurücklaufen an diese Schwelle das erste kleine Zeichen von Schwäche. Als die Kurse das letzte Mal hier unten gewesen sind, im November letzes Jahr, gab es einen scharfen Rebound, nur einen einzelne Spitze - so verhält sich der Markt, wenn er aus dem Gleichgewicht gefallen ist und dieses bereinigt. Momentan scheint der Kurs jedoch stimmig.

Es wird also darauf ankommen, wie sich die Bullen unmittelbar an der 85 verhalten. Wenn hier neues Kauf-Volumen in den Markt tritt, dann stehen die Chancen gut, dass es eine Erholung gibt. Diese könnte dann zudem von längerer Dauer sein, da die bisherige Bewegung großes Korrekturpotential in sich birgt. Nicht umsonst steht es gerade so klar im Meinungsbild der Trader. Sollten sich die Bullen jedoch zurückhalten, könnte die eine oder andere Neuigkeit den Dollar gegen den Yen erst noch einmal richtig unter Druck setzen.

USD/JPY im 60min-Chart mit Pivots, RSI und MACDKlicken Sie hier, um eine grafische Darstellung zu erhalten:

USD/JPY im 60min-Chart mit Pivots, RSI und MACD

Wie könnte es bei USD/JPY weitergehen?

Zum Zeitpunkt der Analyse liegt der Kurs des US-Dollar bei 85,3050 Yen.

Im 60min-Chart generiert USD/JPY folgende Werte: Unterstützungen S1/S2/S3 84,8025/84,2900/83,7200 und Widerstände R1/R2/R3 85,8850/86,4550/86,9675.

Der RSI notiert mit einem Wert von 46,3165 im neutralen Bereich.

USD/JPY bleibt Spielball zwischen Risikobereitschaft und Risikoaversion. Besonders Repatriierungserscheinungen machen dem Währungspaar weiter zu schaffen und drücken es in ungeliebter Regelmäßigkeit zu immer neuen Tiefs. Viele Bären sprechen im Extremfall von weiteren Abgaben und neuen Tiefs nun schon im Bereich der 83, dann der Marken rund um 79.

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