Währungspaar EUR/CHF: Das Fränkli bleibt hart
Seit dem Ausbruch der Finanzkrise gab es an den Devisenmärkten einige Gewinner und auch damit einhergehend Gewinnerregionen. Asien ist so ein Fall. Die Emerging Markets konnten die Krise zum Teil für sich nutzen. Auch ihre Landeswährungen werteten auf. Singapur ist zusätzlich noch eine Erwähnung wert. Hier boomt es ohnehin gewaltig. Doch auch das so schwer angeschlagene Japan hat weiterhin eine unheimlich starke Landeswährung mit dem japanischen Yen. Die Japaner sind wenigstens nur im eigenen Land verschuldet und nicht wie die USA und andere im Ausland. Auch die Rohstoffwährungen Kiwi (NZD - Neuseeländischer Dollar), Aussie (AUD - Australischer Dollar) und Loonie (CAD - Kanadischer Dollar) haben gegenüber den großen Reservewährungen US-Dollar und Euro kräftig zugelegt. Eine Währung jedoch legt seit geraumer Zeit besonders zu - der Franken (CHF).
Schweizer Franken stark wie nie zuvor
Der Franken (CHF) hat in einer Schnelligkeit den US-Dollar entwertet. USD/CHF notiert nur noch bei 0,8175 (im Oktober stand die Kursnadel hier noch bei 1,8313 im Hoch). Beim britischne Pfund ist es auch nicht viel besser. Hier steht der Kurs bei GBP/CHF 1,3181 (im Juli 2007 waren es im Hoch noch 2,4960). Der Wert des Schweizer Frankens ist hier extrem gestiegen. Daran sieht man die Probleme der anderen Staaten, denn es ist nicht nur eine Frankenstärke, sondern auch Schwäche anderer Währungen.
Nicht nur gegenüber der europäischen Gemeinschaftswährung Euro steht der Schweizer Franken demnach als bretthart da - er gilt aber besonders hier als sicherer Hafen. Dieser Faktor ist es auch, warum besonders EUR/CHF stetig aufwertete, wenn es im Euro-Schuldenkrisen- und Schmierentheater immer wieder zu Turbulenzen kam. Für die Schweizer Wirtschaft ist besonders dieser Wechselkurs von erhöhter Bedeutung, da es sich beim Euro-Raum um den größten und wichtigsten Exportempfänger der Schweizer Waren handelt. Hier drückt der Schuh namens "brettharte Landeswährung Franken" extrem hart und schlägt natürlich auch aufs Geschäft. Wie hart es hier im Währungskampf zugeht, sieht man an der Kursentwicklung des SMI - Swiss Market Index - dem Leitindex der Schweizer Börse in Zürich. Die Kurse bröckeln seit dem Hoch im April 2010 von knapp 7.000 Punkten auf unter 6.000 Punkte ab. Andere Märkte, wie der Deutsche DAX haben da eine andere Sprache zu sprechen. Die Währung drückt folglich doch, denn der SMI war dem DAX immer einen Schritt voraus.
Schweiz gilt weiter als sicherer Hafen
Betrachtet man sich die Entwicklung an den Bond-Märkten, so fällt schnell auf, welches Land als sicherer Schuldner gilt. Die Schweiz hat zusätzlich zu einer starken Landeswährung seit geraumer Zeit auch den Vorteil, sich unter günstigeren Bedingungen an den Kapitalmärkten zu refinanzieren. Die 10-Jahres-Anleihen der Schweiz notierten noch 2008 bei beinahe 3,50 Prozent. Zwischenzeitlich sackten die Renditen stark ab - teilweise knapp an der 1,00 Prozentmarke. Für den heutigen Handelstag, Dienstag, den 19.07.2011 notieren sie bei 1,711 Prozent immer noch auf einem sehr niedrigen niveau. Wenn man nun auf die Refinanzierungsbedingungen der Euro-Länder schaut, so kann man nur noch von Deutschland sprechen, dass sich zu günstigeren Bedingungen an den Kapitalmärkten refinanzieren kann. Andere Länder - seit kurzem vor allem Spanien und Italien als größere EU-Volkswirtschaften - haben da große Probleme, die steigende Zinslast zu meistern. Die Spreads zwischen den deutschen Bunds (Benchmark im Bond-Markt) und den britischen Gilts, spanischen Bonos und wie sie noch heißen mögen wachsen. Hervorzuheben sind hier nicht mehr funktionierende Refinanzierungssystematiken in den Ländern Griechenland, Irland und Portugal, die nur noch am Tropf der EZB, des IWF und des EU-Rettungsschirms hängen. Bedenklich ist die Verfahrensweise der Ratingagenturen, aber umso bedenklicher ist eigentlich die Verfahrensweise der EU-Politiker. Wollen Sie den Euro retten, so dürfen sie nicht mit zu vielen Stimmen und Meinungen am Kapitalmarkt für weiteren Unmut sorgen. Wollen sie aber vor allem glaubhaft agieren und einen Schnitt herbeiführen, so müssen sie Griechenland über die Klinge springen lassen. Der Mechanismus der Rettung ist das falsche Signal für den Kapitalmarkt.
Rating-Agenturen urteilen
Die Rating-Agenturen urteilen über die Verfassung eines Staates im Bezug auf seine finanzielle Situation. Nur bei den USA und etwaig bei UK sind sie sich nicht einig. Sie würden sich vermutlich den eigenen Ast absägen, auf dem sie sitzen und den Arm abhacken, der sie nährt. Nur aus rein politischen und für sie wirtschaftlichen Gründen vermeiden sie die Abstufung der USA und die von UK schonseit geraumer Zeit. Ein Unding - hier wäre ein Signal an die Kapitalmärkte willkommen gewesen, um für Glaubwürdigkeit zu sorgen. Eines tun die Rating-Agenturen dennoch: Sie geben uns die Chance tatsächlich aufzuräumen mit einem System, dass so nicht weiter funktionieren kann. Die europäischen Staaten können nicht mit dieser Verschuldung weitermachen. Wir ersticken sonst in diesem Strudel und werden im Sog immer weiter nach unten gezogen. Sparen - es führt kein Weg vorbei. Höhere Steuern, sparen und Kürzungen von staatlichen Leistungen. Es darf kein Bereich ausgelassen werden. Wer meint, es gäbe über kurz oder lang Alternativen, der träumt eben weiter und endet im Fiasko.
Schweiz gilt lange als Musterschüler
Geht es um die Staatsverschuldung, den Arbeitsmarkt, die Verschuldungsquote des Staates im Bezug auf das BIP, so hätte wohl jeder Staat Europas gerne das "Luxus-Problem" der Schweiz mit einer überbewerteten Währung. Doch das kann sich mit der Währung schnell als Bumerang erweisen. Die Schweizer müssen nun ebenso aufpassen, dass sie nicht doch noch über kurz oder lang Opfer des Kapitalmarkts werden. Wenn die Wirtschaft Schaden nimmt, so führt das schnell in die Abwärtsbewegung und Arbeitsplätze kann man auch ins günstigere EU-Ausland verlagern. Ganz schnell ist dann die Situation in der "Schwyz" anders, odr?
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EUR/CHF im Wochenchart mit RSI, MACD und Pivotpunkten
Wie sieht es derzeit für EUR/CHF technisch betrachtet aus?
Zum Zeitpunkt der Analyse am Dienstag, den 19.07.2011 um 17:22 Uhr kostet EUR/CHF 1,1582.
Der RSI notiert mit einem Wert von 27,3480 auf Basis des Monatscharts weiterhin im überverkauften Bereich.
EUR/CHF generiert die folgenden Unterstützungen S1/S2/S3 1,1892/1,1589/1,1376 und Widerstände R1/R2/R3 1,2408/1,2621/1,2924 auf Basis des Monatscharts.
Weiterhin gilt:
Beachten Sie jedoch besonders das schwierige Terrain in der Charttechnik, wenn es sich um Allzeittiefs handelt. Es gibt charttechnisch keine Haltepunkte oder Bezugspunkte. Hier sind meist runde Marken von psychologischer Wirkung, wie z.B. die Marke von 1,2000!
Untenstehend gelangen Sie zu den vergangenen Handelswochen:
31.08.2011: Währungspaar EUR/GBP: Eurozone bleibt stärker25.08.2011: Währungspaar EUR/CHF: Free Floating zwischen Euro und Schweizer Franken
17.08.2011: Währungspaar EUR/USD: Eurobonds und wirre Politiker
10.08.2011: Währungspaar EUR/CHF: Letzter Griff in die Trickkiste
26.07.2011: Währungspaar NZD/USD: Kiwi in luftigen Höhen

